Freiwillige Feuerwehr Gettenau

Cool genug für einen heißen Job ?

Feuerwehr-Fakten

 

1334
Der Rat der Stadt Göttingen erlässt die älteste bekannte Feuerordnung in Deutschland.
1624
In der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges entsteht die älteste, heute noch erhaltene, Handdruckspritze der Welt. Zu sehen im Feuerwehrmuseum in Fulda.
1830
Maschinenfabriken beginnen mit der seriellen Herstellung von baugleichen Spritzen und Leitern.
1841
Gründung eines freiwilligen Lösch- und Rettungscorps in Meißen. Im zweiten Viertel des 19. Jh. entstehen Vorformen der heutigen Feuerwehren. Das Durlacher Pompiers Corps erfüllt 1846 erstmals alle an eine Feuerwehr zu stellenden Anforderungen.
1863
Georg Egestorff, Maschinenfabrikant in Linden bei Hannover stellt in Hamburg die erste Dampffeuerspritze aus und verkauft sie anschließend an die Stadt Hannover.
1902

Unter Branddirektor Reichel wird in Hannover der erste automobile Löschzug in Dienst gestellt:

  • Eine selbstfahrende Dampfspritze
  • Eine elektromobile Gasspritze
  • Ein Elektromobiler Mannschaftswagen
1906
Die FF Berlin-Grunewald stellt am ersten Dezember eine Gasspritze als erstes Benzinauto-Löschfahrzeug Deutschlands in Dienst. Es ist auf einem Fahrgestell der Süddeutschen Automobilfabrik GmbH Gaggenau aufgebaut.

 

Zeitsprünge im Detail

Jugendfeuerwehr, Feuerwehr, Integration und gesellschafts-

politische Verantwortung - Passt das zusammen ?

 

1800-1850

Das Entstehen der ersten Feuerwehren

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts werden die deutschen Staaten von umfassenden gesellschaftlichen, politischen und technologischen Wandlungsprozessen erfasst. Der bis dato nach kommunalen oder landesrechtlichen Löschverordnungen geregelte und ohnehin stets mangelnde Brandschutz bricht vollends zusammen. Ausgehend von Südwestdeutschland vollzieht sich ab den 1830er Jahren der Wandel von verpflichteten Löschmannschaften zu den ersten Freiwilligen Feuerwehren. Viele sind aus Turnvereinen, aber auch aus Bürgerwehren entstanden. Ihr Leitspruch lautet: "Einer für alle - Alle für einen".

1848

Die gute Idee lässt sich nicht aufhalten

Die Niederschlagung der bürgerlichen Revolution durch die regierenden Herrscherhäuser hemmt vorerst die weitere Entwicklung des demokratischen Vereinswesens. Die Idee eines effektiven, in bürgerlicher Eigenverantwortung organisierten Brandschutzes, lässt sich jedoch ebenso wie die Demokratisierung der Gesellschaft nicht dauerhaft aufhalten.

1866

(Inner-) Deutscher Krieg

Ein Jahr nach dem sechsten Deutschen Feuerwehrtag 1865 in Leipzig und zwei Jahre vor dem siebten 1868 in Braunschweig findet der letzte (Inner-) Deutsche Krieg zwischen den kleineren norddeutschen Staaten bei Preußen und den übrigen bei Österreich statt.

1871-1914

Gründungsboom

Mit der Ausrufung des Deutschen (Kaiser-) Reichs entsteht ein Nationalstaat, dessen politische Führung den gemeinwirtschaftlichen Nutzen bürgerlicher Vereine erkennt. In den meisten Regionen wird seitens der staatlichen Verwaltungen das Feuerwehrwesen nun gezielt gefördert. Die Mitgliederlisten der Wehren weisen in der Regel jedoch nur besitzende Bürger als Mitglieder aus. Arbeiter und Tagelöhner finden meist keinen Zugang zu den Wehren.

1887

Erste "Jugendfeuerwehr" auf Föhr

Da die Männer auf der Nordseeinsel Föhr als Fischer stets längere Zeit auf See sind, fehlen Kräfte zum Brand- und Küstenschutz. Aus dieser Not heraus wird in Oevenum eine der ersten Jugendfeuerwehren gegründet. Diese stellt jedoch keine Organisaton der Jugendpflege im heutigen Sinne dar, sondern eine Einsatzabteilung aus Jungen.

1896
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Gettenau
1908

Frauenwahlrecht

In Preußen wird erstmals das Frauenwahlrecht eingeführt. Die Feuerwehren bleiben dagegen noch für viele Jahrzehnte reine Männervereine.

1914-1918

Der erste Weltkrieg

Die in den furchtbaren Materialschlachten des ersten Weltkrieges gemeinsam durchlittenen Qualen verschleifen die sozialen Grenzen zwischen den nichtadeligen Bevölkerungsschichten. Ihnen ist der Aufstieg ins Offizierskorps in der Regel versperrt. Nach Kriegsende öffnen sich die Feuerwehren zunehmend allen (Kriegs-) Kameraden.

1919-1933

Weimarer Republik

Die mitgliederstarken "Kriegervereine" fallen nach der militärischen Niederlage Ende 1918 als stärkste Konkurrenten der Feuerwehren weg.

1933-1945

NS-Diktatur

Mit der politischen Gleichschaltung der bürgerlichen Vereine in der verbrecherischen NS-Diktatur werden die Feuerwehren in die Polizeiorganisation eingegliedert. In der Folge werden politisch unliebsame Kameraden aus Führungspositionen verdrängt und jüdische Kameraden müssen aus den Wehren ausgeschlossen werden. Das Regime bindet das Hilfeleistungspotential der Feuerwehren in die Vorbereitung seines von Anfang an geplanten Angriffskrieges ein. Es schreckt in Folge der verheerenden Luftangriffe auf deutsche Städte mit eiskaltem Kalkül nicht einmal davor zurück, Teile der deutschen Jugend in so genannten "Feuerwehrscharen im H.J. Streifendienst" vielfach in den Tod zu schicken. Auch eigens augebildete Mädchen- und Fraueneinheiten werden nun in den aktiven Brandschutz integriert.

1945-1949

Frühe Nachkriegszeit

Nahezu alle vormals in das NS-Regime politisch involvierten Akteure schlagen plötzlich das "Hohe Lied " der Demokratie und Völkerverständigung an und weigern sich beharrlich, sich selbst und Drittenn gegenüber ihren eigenen Anteil an der Geschichte einzugestehen. Die im Krieg als Nothelferinnen willkommenen und durch Kriegseinsätze hoch qualifizierten Frauen werden umgehend wieder aus den Einsatzabteilungen der Wehren ausgegliedert.

1950

"Neue Heimat" - auch in der Feuerwehr

Millionen Heimatvertriebene flüchten nach Kriegsende gen Westen, wo sie eine neue Heimat suchen. In Dörfern und Städten findet auf engstem Raum (zwangsweise) ein miteinender Leben statt.. Im Laufe der Zeit werden die Heimatvertriebenen auch in gesellschaftliche Gruppen und Organisationen integriert. Bei (Wieder-) Gründungen von Freiwilligen Feuerwehren in den 1950er Jahren gehören diese auch zu Mitgründern.

1964

Gründung der Deutschen Jugendfeuerwehr

Auf dem Deligiertentag des Deutschen Feuerwehrverbandes wird im Oktober 1964 die Deutsche Jugendfeuerwehr gegründet. Die Zielsetzung der Jugendfeuerwehrarbeit geht weit über die feuerwehrtechnischen Belange hinaus: Diese Arbeit erstreckt sich von der fachlichen Ausbildung über die musische Erziehung bis hin zu einer politischen Bildung des jungen Staatsbürgers. Es wird versucht, den Jugendlichen frühzeitig mit den demokratischen Formen und Regeln unserer Gesellschaft vertraut zu machen.

1970

Mädchen und Frauen (k)ein Thema für die Feuerwehr

Anfang der 1970er Jahre ist die Mitgliedschaft von Frauen selbst in der Jugendfeuerwehr noch kein, zumindest kein öffentlich diskutables Thema. Noch im Verlauf dieses Jahrzehnts soll dieses überholte Rollendenken zunehmend in Frage gestellt werden.

1990

Jugend- / Feuerwehr = Bürgerliche Selbsthilfe

Die jahrelangen Verhandlungen des DFV mit der Feuerwehrführung der DDR zahlen sich aus: Knapp vier Monate vor der staatlichen Wiedervereinigung am03. Oktober 1990 feiern Feuerwehrleute aus ganz Deutschland wiedervereint in ihrem Spitzenverband den 26. Deutschen Feuerwehrtag in Friedrichshafen.

Entgegen anderslautender Vorurteile sind Freiwillige Feuerwehren heute wieder vielfach Institutionen, die gesellschaftliche Integrationskraft entfalten. Wollen die Freiwilligen Feuerwehren langfristig Bestand haben, vielleicht sogar die Aufgabe ernsthaft aufgreifen, Integrationsfunktionen in der pluralistischen Gesellschaft zu erfüllen, müssen sie allerdings vielerorts ihre Rekrutierungspraxis und ihr nach außen gewendetes Selbstverständnis wandeln. Im konkurrierenden Konsumangebot der fortgeschrittenen Freizeitgesellschaft hat es eine Institution, die die Erfüllung freiwillig übernommener Dienstpflichten zu jeder Tages- oder Nachtzeit einfordert, nicht eben leicht. Zwar können sich die Jugendfeuerwehren als Nachwuchsorganisationen (noch) nicht über Mitgliederschwund beklagen, aber nicht selten kehren die Jugendlichen der Organisation den Rücken, wenn sie studien- oder berufsbedingt den angestammten Heimatort verlassen müssen.

2007

Integrationskampagne "Unsere Welt ist bunt"

So wie sich die Gesellschaft ständig wandelt, müssen auch die Feuerwehren und Jugendfeuerwehren bereit sein, in ihren Reihen Veränderungen und Wandel zuzulassen. Die Deutsche Jugendfeuerwehr will mit dem Integrationsprojekt "Unsere Welt ist bunt" einen weiteren Schub für eine lebendige Jugendarbeit geben, welche auch nachhaltig in die Feuerwehren ausstrahlen soll.

 

Quelle: Schautafeln im Deutschen Feuerwehrmuseum, Fulda

Ein Besuch des Feuerwehrmuseums in Fulda lohnt sich !